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BIBLIOTHEK DER
DICHTER UND DENKER
Bedeutend. Bedeutender. Am bedeutendsten. Der Versuch einer
Rangliste anhand des Bestands in der Deutschen Nationalbibliothek.
Es hat sich eingebürgert, die Bedeu-
tung einer Person entsprechend ihren
Einträgen bei Google einzuordnen.
Doch das führt häufg in die Irre. Die
Suchmaschine spuckt zum Beispiel
zu „Martin Luther“ mehr als 88 Mil-
lionen Einträge aus – ein absoluter
Spitzenwert unter Deutschlands Dich-
ter- und Denker-Namen. Das Prob-
lem dabei: Google zählt alle Links zu
Martin Luther King oder zu Schulen
bzw. Kirchen mit diesem Namen mit.
Wesentlich präziser sind die Angaben
im Katalog der Deutschen Nationalbi-
bliothek, da man sich hier ausschließ-
lich die Veröfentlichungen von und
über Martin Luther anzeigen lassen
kann. Und mit 3.753 Einträgen landet
der Reformator mitnichten auf Platz
eins, sondern nur auf Platz acht. Un-
angefochtener „Gewinner“ hingegen
ist der Dichterfürst aus Frankfurt am
Main. Goethe war also gut – und viel.
Überraschend ist, dass die eine Hälf-
9.952
JOHANN
WOLFGANG
VON GOETHE
KARL
MARX
HERMANN
HESSE
FRIEDRICH
NIETZSCHE
6.191
JACOB
GRIMM
4.389
4.175
4.113
4.064
3.789
3.753
3.547
3.428
THOMAS
MANN
MARTIN
LUTHER
FRIEDRICH
ENGELS
IMMANUEL
KANT
FRIEDRICH
SCHILLER
te der Gebrüder Grimm, Jacob Grimm,
Größen wie Karl Marx, Hermann Hesse
und Friedrich Nietzsche auf die Plätze
verweist. Noch erstaunlicher: Wissen-
schaftler, die die Welt bewegt haben, wie
Sigmund Freud (3.021 Einträge), Theo-
dor W. Adorno (1.276) oder Albert Ein-
stein (1.071) schafen es nicht in die Top
Zehn. Nur knapp gescheitert ist dagegen
der Autor von Trivialliteratur Heinz G.
Konsalik (Platz zwölf). Was das Ranking
noch zeigt: Ganz oben landet man nur
posthum. Nicht ein einziger Zeitgenos-
se liegt im vorderen Feld, am besten
schneidet noch Günther Grass (1.357)
ab. Entlarvend ist die Statistik auch für
das Geschlechterverhältnis: keine Frau
weit und breit. Am meisten Spuren
im Bestand der Bibliothek hinterlassen
hat übrigens Hedwig Courths-Mahler
(1.385), deren Liebesromane in der Wei-
marer Republik Bestseller waren.
Der Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
ermöglicht eine feingranulare Suche. So lässt
sich nach Titeln, Personen, Inhaltsverzeichnis und
Schlagwörtern unterscheiden, nach Medienarten,
Zeiträumen und vielem mehr. Bei der Personen-
suche differenziert der Katalog nicht nur nach Na-
men, sondern auch nach Personen – der Bestand
umfasst zum Beispiel Werke von 19 verschiede-
nen „Thomas Manns“. Zu dem gesuchten Schrift-
steller erhält man eine exakte Aufschlüsselung der
Werke im Bestand: Autor von 3.008, Komponist
von sechs, Interpret von vier, Beteiligung an 400
und Thema in 646 Publikationen. Die hier im Ran-
king angegebenen Zahlen sind jeweils die Sum-
men dieser Kategorien (Stand: 19. Juni 2012).

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